Charakteristisch für den so genannten formalen Garten des siebzehnten Jahrhunderts ist die streng symmetrische Anlage. Das gilt auch für den Garten auf Schloss Het Loo. Run d um die Mittelachse sind mehrere Blumenbeete (Broderieparterres) angeordnet, die mit in dekorativen Mustern geschnittenen Buchsbaumhecken aufgefüllt sind. Die Ränder (Rabatte) sind reich mit festen und einjährigen Blumen und Pflanzen besetzt, die sich mit in Form geschnittenen Wacholdersträuchern abwechseln. Während Wacholdersträucher für die Veluwe charakteristisch sind, wurden andere seltene Pflanzen von den Westindischen und Ostindischen Kompanien aus nah und fern für Wilhelm III. und Maria II. mitgebracht.
Eine Gartenanlage wie diese ist als eine mit den Jahreszeiten wechselnde Blumen- und Pflanzenschau anzusehen. Daher sind die Blumen auch nicht in Gruppen sondern einzeln gepflanzt, sodass jede Sorte gut zur Geltung kommen kann.
Seitlich des Schlosses befinden sich die Privatgärten von Wilhelm III. und Maria II., der Königs- und der Königinnengarten. Im Königinnengarten ist zwischen Mai und Oktober eine bedeutende Sammlung jahrhundertealter Zitrusbäume in Kübeln zu bewundern. Aufgrund ihrer Fähigkeit, gleichzeitig Orangenblüten und Orangenfrüchte zu tragen, wurden sie zum Symbol für das gleichnamige Haus von Oranien.
Wasserkunst
Verglichen mit Versailles waren die Gärten von Het Loo eher bescheiden. Ganz im Gegensatz dazu die Springbrunnen, die unablässig frisches Wasser sprühten, das vom höher gelegenen Grundwasser der umgebenden Hügel bezogen wurde. Die 13 Meter hohe Fontäne des Königsbrunnen (Koningssprong) im rückwertigen Teil des Obergartens war die höchste in Europa. Die Springbrunnen sind von April bis Oktober in Betrieb.
Statuen
Die Statuen, Götter und Göttinnen aus der griechischen Mythologie, versinnbildlichen sämtlich das Wachstum und die Blüte des Gartens und preisen die Glanzleistung, die mit der Anlage eines solchen Lustgartens in einer ursprünglich dürren Heidelandschaft vollbracht wurde. Im Mittelpunkt steht Venus, die Göttin der Liebe, die hinter all dem die treibende Kraft ist.
Ein Garten für alle Jahreszeiten
Ein Teil der Bepflanzung von Het Loo ändert sich jedes Jahr, sowohl im Frühling als auch im Sommer. Man bemühte sich, die ursprüngliche Situation möglichst genau zu rekonstruieren. Einen besonders eindrucksvollen Kontrast bildet die Farbenpracht der Blumen im Frühling, Sommer und oft auch noch im Herbst mit dem Schnee auf den dekorativen Mustern der Buchsbaumparterres im Winter.
Die schönste Aussicht auf die Gärten kann man von den begrenzenden Böschungen und natürlich vom Dach des Schlosses aus genießen. Letzteres ist ausschließlich mittwochs in den Monaten Juni, Juli und August möglich.
Die Gärten lassen den Besuch des Schlosses Het Loo zu einem besonderen Erlebnis werden, und wäre es nur, um die Produkte dieser Gärten in den nach historischen Vorlagen gebundenen Buketten in den Räumen des Schlosses zu bewundern. |